Software, die sich aus sich selbst heraus weiterentwickelt
Ein Techniker steht beim Kunden und merkt: Im Prüfprotokoll fehlt ein Feld für den Zählerstand. Heute beginnt damit eine lange Reise. Er sagt es im Büro, das Büro schreibt eine E-Mail, die E-Mail landet bei der IT oder bei der Agentur, irgendwann gibt es ein Angebot. Bis das Feld da ist, vergehen Wochen. Oft kommt es nie, weil der Wunsch unterwegs verloren geht.
Mit KI-Agenten ist das Bauen einer kleinen Änderung heute oft eine Sache von Minuten. Langsam ist nicht mehr das Programmieren, sondern der Weg, den ein Wunsch nehmen muss, und die Prüfung danach. Genau dort setzt unsere Idee an: Die Anwendung selbst wird zu dem Ort, an dem ihre nächste Version beginnt.
Die Idee in einem Satz
Wer mit der Anwendung arbeitet, schreibt seinen Wunsch direkt hinein. Eine KI setzt ihn in einer Testkopie um, ein Mensch prüft, und zum nächsten festen Termin ist die Änderung da.
So läuft es ab
- Wunsch eingeben: In jeder Ansicht der Anwendung gibt es ein Feld für Änderungswünsche, am Rechner wie auf dem iPhone, getippt oder gesprochen. Wer damit arbeitet, schreibt in normalen Worten, was fehlt: „Im Prüfprotokoll brauche ich ein Feld für den Zählerstand.“
- Zusammenhang anhängen: Die Anwendung merkt sich von selbst, auf welcher Seite, in welcher Rolle und bei welchem Datensatz der Wunsch entstanden ist, auf Wunsch mit einem Bildschirmfoto. So muss niemand erklären, wo genau etwas fehlt.
- Sammeln und einordnen: Jeder Wunsch wird ein Eintrag mit Status. Ähnliche Wünsche werden zusammengefasst. Ist etwas unklar, kommt die Rückfrage direkt in der Anwendung bei der Person an, die den Wunsch hatte.
- Umsetzen lassen: Ein KI-Agent bereitet die Änderung in einer getrennten Testkopie vor, nie in der laufenden Anwendung und nur mit Testdaten. Er beschreibt in einfachen Worten, was er geändert hat und warum.
- Prüfen: Bei jeder Änderung laufen automatische Tests und eine Sicherheitsprüfung. Danach prüft ein Entwickler Code und Datenwege. Änderungen, die Daten löschen oder umbauen, brauchen eine ausdrückliche Freigabe.
- Ausprobieren und freigeben: Die Person mit dem Wunsch probiert die Änderung in der Testversion aus. Passt sie, gibt sie frei. Passt sie nicht, geht der Wunsch mit ihrer Rückmeldung zurück an Schritt 4.
- Ausrollen: Freigegebene Änderungen kommen gesammelt zu festen Terminen in die laufende Anwendung, etwa einmal pro Woche. Vorher wird gesichert, jede Änderung lässt sich zurücknehmen.
- Rückmeldung: In der Anwendung sieht jeder, was aus seinem Wunsch geworden ist: eingegangen, in Prüfung, im Test, umgesetzt am …
Was die Anwendung dafür mitbringen muss
Damit das sicher funktioniert, braucht die Anwendung ein paar feste Bausteine. Sie gehören von Anfang an dazu, nicht erst später:
- Rollen und Rechte: Festgelegt ist, wer Wünsche eingeben, wer fachlich freigeben und wer technisch freigeben darf. Nicht jeder darf alles ändern lassen.
- Eine echte Testkopie: Eine zweite Umgebung mit eigenen Zugängen und Testdaten. Der KI-Agent arbeitet nur dort und kommt an die echten Daten nicht heran.
- Automatische Tests: Je mehr Abläufe automatisch geprüft werden, desto sicherer ist jede kleine Änderung. Neue Funktionen bekommen ihre Tests gleich mit.
- Zwei Freigaben: eine fachliche durch die Person, die den Ablauf kennt, und eine technische durch jemanden, der den Code versteht.
- Feste Termine und Rücknahme: Änderungen gehen nicht einzeln und spontan live, sondern gesammelt, mit Sicherung vorher und einem Weg zurück.
- Ein Protokoll: Für jede Änderung ist nachvollziehbar, wer sie gewünscht, wer sie freigegeben hat und was genau geändert wurde.
Wo die Grenzen sind
- Nicht alles ist ein kleiner Wunsch. Ein neues Modul, eine Anbindung an ein weiteres Programm oder ein Umbau der Datenstruktur braucht Planung und ein Angebot vorher.
- Die KI macht Fehler. Darum wird die Prüfung nie übersprungen, auch nicht für scheinbar kleine Änderungen.
- Datenschutz und Sicherheit entscheiden Menschen. Welche Daten wohin gehen dürfen, legt keine KI fest.
- Wo Gesetze Vorgaben machen, etwa zur Aufbewahrung von Unterlagen, gehört die Prüfung dieser Vorgaben zur Freigabe dazu.
Was es dem Betrieb bringt
- Kein Wunsch geht verloren. Er wird dort festgehalten, wo er entsteht, mit allem Zusammenhang.
- Die Anwendung passt sich dem Betrieb an, nicht umgekehrt. Verbessert wird, was die Menschen im Alltag wirklich brauchen.
- Viele kleine Schritte statt eines großen Projekts. Woche für Woche wird die Anwendung besser, ohne dass ein teures Gesamtvorhaben nötig ist.
- Planbare Kosten. Kleine Wünsche gehören zur Wartung zum festen Monatspreis, größere bieten wir vorher an.
- Niemand muss nachts prompten. Die Arbeit mit der KI ist geordnet, geprüft und zeitlich begrenzt. Warum das wichtig ist, steht in unserem Beitrag zur Vibe-Coding-Sucht.
So könnte es im Alltag aussehen
Ein Beispiel, wie es in einem Handwerksbetrieb laufen könnte: Am Montag schreibt der Techniker auf dem iPhone in das Wunschfeld: „Im Prüfprotokoll fehlt der Zählerstand.“ Die Anwendung hängt an, dass er im Protokoll einer Gasheizung war. Am Dienstag liegt das neue Feld in der Testversion bereit, geprüft und getestet. Am Mittwoch probiert die Büroleiterin es aus und gibt es frei. Am Freitag ist es in der Anwendung, und der Techniker sieht bei seinem Wunsch: umgesetzt.
Was es dafür schon gibt
Die Bausteine gibt es einzeln bereits: Werkzeuge, die Funktionswünsche von Kunden sammeln, und KI-Agenten, die aus einem Ticket eine Code-Änderung zur Prüfung vorbereiten. Unser Ansatz ist, beides in die Anwendung selbst zu holen, mit dem Zusammenhang aus der Arbeit, einer Testkopie, zwei Freigaben und festen Terminen. So wird aus einer Entwicklerwerkzeug-Kette ein Ablauf, den auch ein Betrieb ohne eigene IT-Abteilung nutzen kann.
Frei für alle
Kein Patent, frei nutzbar. Wir haben dieses Konzept am 20. Oktober 2026 erstmals veröffentlicht, im Beitrag Vibe-Coding-Sucht, und beschreiben es hier ausführlich. Wir melden bewusst kein Patent darauf an. Jeder darf es nutzen, nachbauen und weiterentwickeln, ganz im Sinne von Open Source. Den Text dieses Beitrags stellen wir unter die Lizenz CC BY 4.0: Sie dürfen ihn übernehmen, wenn Sie uns als Quelle nennen, zum Beispiel so: „Konzept: newtastic GmbH, newtastic.de/blog/software-die-sich-selbst-weiterentwickelt“.
Fazit
Software muss nicht in großen Projekten alle paar Jahre erneuert werden. Mit KI kann sie Woche für Woche mitwachsen, wenn die Wünsche aus der Arbeit kommen und jede Änderung geprüft wird, bevor sie live geht. Das Programmieren übernimmt die KI, die Verantwortung bleibt beim Menschen.
Sie möchten eine Anwendung, die so mit Ihrem Betrieb mitwächst? Im Ablauf-Check finden wir heraus, wo Sie anfangen.